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Mittwoch, 24. Oktober 2007
Zeh zwo Hah Fünf Oh Hah
medizynicus, 19:49h
"Wir haben einen Zugang!"
"Was hat er denn?"
"C2 Intox!"
Aha.
Zeh-Zwo-Intoxikation.
Auf Gut Deutsch: Der Patient ist besoffen.
Warum kann man es nicht genau so ausdrücken?
Es gibt in unserer Branche so manches Tabu, Wörter, die man nicht ausspricht:
Tuberkulose zum Beispiel. Die Krankheit hatte in früheren Zeiten ein soziales Stigma, galt als "Armeleutekrankheit" und wurde verdrängt und tabuisiert.
Heute stehen bösartige Tumorerkrankungen an erster Stelle (ich könnte auch "Krebs" sagen, aber das sagt man nicht im Krankenhaus). Die sind leider oft genug ein Todesurteil, man geht ihnen aus dem Weg, glaubt dass mit dem nicht-Nennen des Namens auch die Krankheit aus dem Weg geht. Im angelsächsischen Sprachraum gibt es den Begriff "The Big C", das Große C, C für Carcinom, ein Wort, das man nicht ausspricht.
Verständlich.
Aber mit dem Alkohol ist das eine andere Sache.
Jeder weiß: ein Alkoholiker hat nur dann eine Chance, auf Heilung, wenn er seine Krankheit erkennt, wenn er einsichtig ist. Wenn er vielleicht bei einer Gesprächsrunde der anonymen Alkoholiker aufsteht und den berühmten Satz sagt: "Ich bin XXX und ich bin Alkoholiker!"
neues Arzt-Blog von Medizynicus
"Was hat er denn?"
"C2 Intox!"
Aha.
Zeh-Zwo-Intoxikation.
Auf Gut Deutsch: Der Patient ist besoffen.
Warum kann man es nicht genau so ausdrücken?
Es gibt in unserer Branche so manches Tabu, Wörter, die man nicht ausspricht:
Tuberkulose zum Beispiel. Die Krankheit hatte in früheren Zeiten ein soziales Stigma, galt als "Armeleutekrankheit" und wurde verdrängt und tabuisiert.
Heute stehen bösartige Tumorerkrankungen an erster Stelle (ich könnte auch "Krebs" sagen, aber das sagt man nicht im Krankenhaus). Die sind leider oft genug ein Todesurteil, man geht ihnen aus dem Weg, glaubt dass mit dem nicht-Nennen des Namens auch die Krankheit aus dem Weg geht. Im angelsächsischen Sprachraum gibt es den Begriff "The Big C", das Große C, C für Carcinom, ein Wort, das man nicht ausspricht.
Verständlich.
Aber mit dem Alkohol ist das eine andere Sache.
Jeder weiß: ein Alkoholiker hat nur dann eine Chance, auf Heilung, wenn er seine Krankheit erkennt, wenn er einsichtig ist. Wenn er vielleicht bei einer Gesprächsrunde der anonymen Alkoholiker aufsteht und den berühmten Satz sagt: "Ich bin XXX und ich bin Alkoholiker!"
neues Arzt-Blog von Medizynicus
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Freitag, 12. Oktober 2007
Dienst und Delirium
medizynicus, 13:05h
Dienst. Anruf nachts um halb eins.
„Der Herr X auf Zimmer 104 macht mir Sorgen...“
„Warum?“
„Er ist so unruhig...“
„Aha“
„...ich meine, er ist vorhin aufgestanden und im Zimmer auf und ab gegangen...“
„Aha“
„...dabei hat er eine Schenkelhalsfraktur und soll Montag operiert werden.“
„Hmmmmm“
„...und hat mir erzählt, er sei vorhin durchs Fenster hier eingestiegen...“
„Ach nee!“
„...und sein Bettnachbar sei ein Einbrecher!“
„Nee?“
„Naja, ich weiß ja nicht, aber ich habe das Gefühl, der rutscht da irgendwo rein....“
Du meinst wohl Alkholentzugsdelir?
„Warum?“
„...Eigentlich hat er ja Bettruhe. Aber jetzt hat er seine Tasche gepackt....“
„Hm.“
„...Wer weiß, ob der nicht auf dem selben Weg wieder abhaun will!“
„Ach?“
„...Du weißt ja, wir sind im zweiten Stock...“
„Kann man das Fenster öffnen?“
„Ja, und er liegt direkt am Fenster im letzten Zimmer ganz hinten am Flur...“
„Könnt Ihr ihn nicht zur Beobachtung ins Arztzimmer legen?“
„Da liegt schon wer. Und das Fenster können wir nicht verriegeln...“
„Könnt Ihr ihm nicht einfach eine Flasche Bier geben?“
„Haben wir nicht, wir sind schließlich ein Krankenhaus und keine Kneipe!“
„Und eine Tranxilium?“
„Ist Okay!“
Einmal rumdrehen und weiterschlafen... oder zumindest versuchen.
Eine Viertelstunde später der nächste Anruf.
„...Der Herr X ist immer noch so unruhig...“
„Gib ihm noch eine Tranxillium!“
„Ist Okay!“
Im Viertelstundentakt geht es weiter.
Um eins bequemeich mich, mal vorbei zu schaun.
„Okay, legt ihn runter auf die Wache!“
Die sind nicht unbedingt begeistert....
„Jetzt sagt er, er hat genug Tabletten genommen und will keine mehr nehmen!“
Ich gehe rauf.
Fixieren....
„Wir sehen uns vor Gericht!“ sagt er und rüttelt an seinen Fesseln.
Also dann doch mal lieber den Chef anrufen...
Medizynicus ist umgezogen! Hier gehts zum Neuen Arzt-Blog.
„Der Herr X auf Zimmer 104 macht mir Sorgen...“
„Warum?“
„Er ist so unruhig...“
„Aha“
„...ich meine, er ist vorhin aufgestanden und im Zimmer auf und ab gegangen...“
„Aha“
„...dabei hat er eine Schenkelhalsfraktur und soll Montag operiert werden.“
„Hmmmmm“
„...und hat mir erzählt, er sei vorhin durchs Fenster hier eingestiegen...“
„Ach nee!“
„...und sein Bettnachbar sei ein Einbrecher!“
„Nee?“
„Naja, ich weiß ja nicht, aber ich habe das Gefühl, der rutscht da irgendwo rein....“
Du meinst wohl Alkholentzugsdelir?
„Warum?“
„...Eigentlich hat er ja Bettruhe. Aber jetzt hat er seine Tasche gepackt....“
„Hm.“
„...Wer weiß, ob der nicht auf dem selben Weg wieder abhaun will!“
„Ach?“
„...Du weißt ja, wir sind im zweiten Stock...“
„Kann man das Fenster öffnen?“
„Ja, und er liegt direkt am Fenster im letzten Zimmer ganz hinten am Flur...“
„Könnt Ihr ihn nicht zur Beobachtung ins Arztzimmer legen?“
„Da liegt schon wer. Und das Fenster können wir nicht verriegeln...“
„Könnt Ihr ihm nicht einfach eine Flasche Bier geben?“
„Haben wir nicht, wir sind schließlich ein Krankenhaus und keine Kneipe!“
„Und eine Tranxilium?“
„Ist Okay!“
Einmal rumdrehen und weiterschlafen... oder zumindest versuchen.
Eine Viertelstunde später der nächste Anruf.
„...Der Herr X ist immer noch so unruhig...“
„Gib ihm noch eine Tranxillium!“
„Ist Okay!“
Im Viertelstundentakt geht es weiter.
Um eins bequemeich mich, mal vorbei zu schaun.
„Okay, legt ihn runter auf die Wache!“
Die sind nicht unbedingt begeistert....
„Jetzt sagt er, er hat genug Tabletten genommen und will keine mehr nehmen!“
Ich gehe rauf.
Fixieren....
„Wir sehen uns vor Gericht!“ sagt er und rüttelt an seinen Fesseln.
Also dann doch mal lieber den Chef anrufen...
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Mittwoch, 10. Oktober 2007
...wieder mal ein Zugang...
medizynicus, 21:36h
Sieben Uhr Abends.
Notaufnahme.
Zugang: Demente Person, so Mitte Achtzig.
Keine Kommunikation möglich.
Ein Nachbar hat einen Krankenwagen (nicht den Notarzt!) gerufen, "weil es Herrn K. nicht so gut geht..."
Und da liegt er jetzt:
Völlig dement. Keine Kommunikation möglich.
Angehörige gibts nicht, jedenfalls wissen wir nicht, wenn wir kontaktieren könnten. Angeblich hat er sich bis jetzt noch selbst versorgt. Wer's glaubt, wird selig.
Aber die Adresse ist kein Altenheim, wo wir noch irgendwen an die Strippe bekommen könnten...
Medikamente?
Keine Ahnung, was er nimmt...
Hausarzt?
Um diese Zeit natürlich nicht mehr erreichbar...
Alte Akte?
Aus unerfindlichen Gründen war er noch nie hier gewesen...
Die vielgeschmähte Gesundheitskarte könnte durchaus auch ihr Gutes haben.... vielleicht....
neues Arzt-Blog von Medizynicus
Notaufnahme.
Zugang: Demente Person, so Mitte Achtzig.
Keine Kommunikation möglich.
Ein Nachbar hat einen Krankenwagen (nicht den Notarzt!) gerufen, "weil es Herrn K. nicht so gut geht..."
Und da liegt er jetzt:
Völlig dement. Keine Kommunikation möglich.
Angehörige gibts nicht, jedenfalls wissen wir nicht, wenn wir kontaktieren könnten. Angeblich hat er sich bis jetzt noch selbst versorgt. Wer's glaubt, wird selig.
Aber die Adresse ist kein Altenheim, wo wir noch irgendwen an die Strippe bekommen könnten...
Medikamente?
Keine Ahnung, was er nimmt...
Hausarzt?
Um diese Zeit natürlich nicht mehr erreichbar...
Alte Akte?
Aus unerfindlichen Gründen war er noch nie hier gewesen...
Die vielgeschmähte Gesundheitskarte könnte durchaus auch ihr Gutes haben.... vielleicht....
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DAS Buch
medizynicus, 21:28h
Das Buch ist da!
Wo kriegt man es?
Zum Beispiel versandkostenfrei bei Amazon oder auch in jedem Buchladen oder überall sonst, wo es Bücher gibt.
Hier die Daten:
Medizynicus:
"...Leben retten uns so..."
Book On Demand, Norderstedt, 2007
ISBN: 9783837005547
Das Medizynicus-Buch
Mehr unter:
https://www.bod.de/index.php?id=1132&objk_id=90542
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Wo kriegt man es?
Zum Beispiel versandkostenfrei bei Amazon oder auch in jedem Buchladen oder überall sonst, wo es Bücher gibt.
Hier die Daten:
Medizynicus:
"...Leben retten uns so..."
Book On Demand, Norderstedt, 2007
ISBN: 9783837005547
Das Medizynicus-Buch
Mehr unter:
https://www.bod.de/index.php?id=1132&objk_id=90542
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